Gallandius, Petrus
De agrorum conditionibus, & constitutionibus limitum. Siculu flacci lib. I. Iulii frontini lib. I. Aggeni urbici lib. II. Hygeni gromatici lib. II. Variorum auctorum Ordines finitionum. De iugeribus metiundis. Finium regundorum. Lex mamilia. Coloniarum pop. Romani descriptio. Terminorum inscriptionis & formae. De generibus lineamentorum. De mensuris & ponderibus. Imnia figuris illustrata. (Erstausgabe dieses sehr seltenen Mittelalterwerks des Landschaftsbaus und der Feldnutzung/ mit zahlreichen sehr alten, z.T. ganz- oder halbseitigen Holzschnitten/ originale Lederdeckel mit Goldgravuren auf altem Ledereinband und Rücken über 5 Bänder mit rotem Rückenschild) (Very rare first edition of this medieval major work in agronome landscape building/ with many and very old woodcuts on half or full site/ original full calf book covers gold engraved and integrated in a younger binding with five raised bands and red titel-label on spine) (Très rare première édition de cette chef d’oeuvre médiévale dans l’aménagement agronome des paysages/ très vieilles et nombreuses gravures sur bois pleine- or demi-pages/ couvertures originales de cuir estampées en or et integrées dans une reliure plus jeune en cuir à 5 nerfs orné et pièce de titre en rouge sur le dos)
Parisiis, Adr(ien) Turnebum, 1554
Bemerkungen: Berühmtes Werk der Geoponica komplett mit den sehr alten, zahlreichen Holzschnitten, ganz- und halbseitig. Gallandius brachte das Werk bei Turnebum in Paris heraus, nachdem er es als ein mittelalterliches Manuskript in der Bibliothek der Benediktinerabtei in St.-Omer wiederentdeckt hatte, das alte geoponische Schriften zusammenstellte. Sehr besonders sind die Holzschnitte, deren mittelalterliche Herkunft nicht namentlich identifizierbar ist und aus römisch-arabischer Provenienz sein können. More pictures and informations available by website Antiquariat Schloss Ahlhausen. Adams, G 147. Harvard/Mortimer French 244. BM/STC French, p. 197. Wellcome I, 2651.
Beschreibung: Format/ Einband: 22,5 x 16,5 cm; Kalbsledereinband aus jüngerer Zeit mit 5 Bändern und goldgraviertem roten Rückentitelschild mit auf den Einbanddeckeln aufgezogenen originalen und beriebenen Lederbezügen, goldgraviert mit einem Löwenkopf auf einer Krone vorne und Nameninitialen hinten; Rotschnitt. 257 Seiten Inhalt nach dem Titel (ohne Namennennung) und nach 2 Seiten Widmung an den Kardinal der Lorraine, angehängt 8 Seiten Index, 1 Seite Errate und 1 Seite „mensurarum genera“, mit zahlreichen Holzschnitten von Landschaftsgestaltungen und –plänen, 21 ganzseitig und 31 halbseitig, alle anderen im Text, meist mit 134 Stück insgesamt angegeben; marmorierter Vor- und Nachsatz und mit vielen floral in Holz geschnittenen Bordüren und Initialen an den Kapitelanfängen. Das Papier ist durchgehend weiß mit nur ganz wenigen kleinsten Braunflecken; nur sehr wenige kleinste Ausbrüche/ Einrisse und Papierverfaltungen an den Seitenrändern, z.B. an der Titelseite, Seite 161 mit kleinem Loch, Seite 170 mit angerissener Ecke unten rechts. Paginationsfehler des Druckers auf den Seiten 32, 34, 35, 38, 39, 87, 138. Die aufgezogenen originalen Lederbezüge sind berieben aber ganzseitig intakt bis zu den goldgravierten Rändern, die an vielen Stellen noch eine florale Handbemalung zeigen. Das Titelblatt ist ohne Textverlust und am oberen Rand mit einem kleinen Papierstreifen etwas brüchig und angerissen hinterlegt. Von sehr alter Hand wurde es mit so etwas wie einem ornamentierten Besitzervermerk beschriftet.
Über Petrus Gallandius ist auffällig wenig bekannt; wahrscheinlich lebte er von 1510 bis 1559 in Aire-sur-la-Lys in Frankreich. In welchem Verhältnis er zu der Benediktinerabtei Saint Bertin in Saint-Omer (département Calvados in der Normandie) stand, in deren Bibliothek er dieses von ihm 1554 neu herausgegebene Manuskript des Mittelalters mit den 4 enthaltenen Schriften des Siculus Flaccus (ca. 2. Jhd. n.Chr.), des Sextus Julius Frontinus (ca. 35 – 103 n. Chr.), des Hyginus Gromaticus (ca. 2. Jhd. n.Chr.) und des Aggenus Urbicus (ca. 5. Jhd. n.Chr.) aufgefunden haben soll, ist nicht ganz klar. Diese 4 lateinischen Gelehrten der Feldbauvermessung waren römische Fachgelehrte (Agrimensoren), deren Schriften n.a. im sog. „Corpus agrimensorum romanum“ die spätantiken Textvorgaben zu diesem Wissen für ihre karolingischen Abschriften des Mittelalters gaben. Es gibt deutliche Hinweise aus dem Codex Palatinus latinus von 1564, dass sie so als höfische Literatur bis in die Neuzeit hinein übertragen wurden, was im wesentlichen den klösterlichen Bibliothekskopiaren zu verdanken ist. Es kommt also nicht von ungefähr, wenn diese Erstausgabe von 1554 von Petrus Gallandius dem Kardinal der Lorraine gewidmet wurde. Diese Widmung wird es wohl sein, die Grund dieser Zuschreibung des Werkes ist, denn das Titelblatt nennt ihn nicht namentlich. Immer wieder sieht man in der bibliographischen Literatur auch den Adrianus Turnebus (1512 – 1565), der in der Tat ein Gelehrter des griechisch-lateinischen Schrifttums seiner Zeit gewesen ist, neben Gallandius als Mitherausgeber dieser Erstausgabe genannt. Es liegt hier wahrscheinlich jedoch eine Verwechslung mit dem Sohn des Adrianus vor, der als Adrien Turnèbe Schriften seines Vaters als Verleger in den Buchdruck brachte. Wir nehmen also an, dass Gallandius der einzige Herausgeber dieser Erstausgabe ist, der – was das Titelblatt des Werkes ebenso auch genau abbildet – in Adrien Turnebum seinen Verleger 1554 in Paris fand. Besonderes Augenmerk muss man auf die Holzschnitte dieses Werkes legen, denn es ist in der Forschung bekannt, dass schon die lateinischen Quellentexte bildnerische Darstellungen enthielten, die wohl auch, ohne dass bekannt ist, in welchem Umfange, von den mittelalterlichen Klosterkopisten mitübertragen wurden. Das Werk des Gallandius könnte also Holzschnitte aus römischer Provenienz enthalten. Dass bei den auch arabisch anmutenden Darstellungen von Baumbestand dieser mehr an den Palmen- als an einen Eichen- oder Apfelbaum der Normandie denken lässt, ist augenfällig.
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